WordPress oder individuelle Website? Welche Lösung passt besser zu Ihrem Unternehmen?
Wenn Unternehmen eine neue Website planen, fällt die Entscheidung häufig schnell auf WordPress. Schließlich ist es das bekannteste Content-Management-System (CMS) und treibt je nach Quelle rund 40 bis 43 % aller Websites weltweit an – bei Websites mit einem erkennbaren CMS liegt der Anteil sogar bei über 60 %.
Doch nicht jedes Unternehmen benötigt ein CMS. Die entscheidende Frage lautet daher nicht: „Was ist besser – WordPress oder eine individuell entwickelte Website?“, sondern: „Welche Lösung passt zu den Anforderungen meines Unternehmens?“
Genau dort beginnt auch mein Entwicklungsprozess. Bevor ich mich für eine Technologie entscheide, analysiere ich zunächst das Unternehmen:
- Wie häufig werden Inhalte geändert?
- Wer pflegt die Website?
- Werden Buchungssysteme oder individuelle Funktionen benötigt?
- Steht die Bereitstellung von Informationen im Vordergrund oder werden regelmäßig neue Inhalte veröffentlicht?
Die Antworten auf diese Fragen bestimmen, welche technische Lösung sinnvoll ist. Für viele kleine und mittelständische Unternehmen ist die Website vor allem eine digitale Visitenkarte: Sie informiert über Leistungen, schafft Vertrauen und ermöglicht eine einfache Kontaktaufnahme. In solchen Fällen ist eine individuell entwickelte Website häufig die effizientere Lösung.
Was ist ein Content-Management-System (CMS)?
Ein Content-Management-System ermöglicht es, Inhalte einer Website ohne Programmierkenntnisse zu verwalten. Seiten, Bilder oder Blogbeiträge können über einen Administrationsbereich erstellt, bearbeitet und veröffentlicht werden.
WordPress ist das bekannteste CMS, aber nicht das einzige. Auch Systeme wie Drupal oder Joomla verfolgen denselben Ansatz: Inhalte sollen unabhängig vom Entwickler gepflegt werden können. Gerade für Unternehmen, die regelmäßig neue Inhalte veröffentlichen oder mit mehreren Personen an der Website arbeiten, ist das ein großer Vorteil.
Warum WordPress so erfolgreich ist
WordPress hat ein reales Problem gelöst. Früher mussten selbst kleine Änderungen direkt im Quellcode vorgenommen oder Dateien manuell hochgeladen werden. Mit WordPress konnten Inhalte erstmals bequem im Browser bearbeitet und veröffentlicht werden.
Heute lässt sich das System durch Themes und Plugins nahezu beliebig erweitern. Ob Kontaktformular, Buchungssystem, Online-Shop oder Mitgliederbereich – für viele Anforderungen existieren bereits fertige Lösungen, das WordPress-Verzeichnis listet allein knapp 60.000 kostenlose Plugins. Diese Flexibilität macht WordPress für Millionen von Websites zur richtigen Wahl, insbesondere für große Redaktionsseiten mit vielen Autoren oder komplexe Mitgliederbereiche.
Die wichtigere Frage ist nicht die Technologie
Oft wird diskutiert, welche Lösung mehr Funktionen bietet. In der Praxis ist das jedoch selten entscheidend. Viel wichtiger ist, wie die Website im Alltag genutzt wird.
Ein Online-Magazin mit täglichen Artikeln profitiert eindeutig von einem CMS. Ein Steuerberater, Architekt oder Handwerksbetrieb, dessen Inhalte sich nur selten ändern, hat dagegen ganz andere Anforderungen.
Trotzdem werden beide Projekte häufig mit derselben technischen Grundlage umgesetzt – oft aus Gewohnheit und nicht, weil sie tatsächlich die beste Lösung für das Unternehmen ist.
Wartungsaufwand und Sicherheit: ein oft unterschätzter Faktor
Ein Punkt, der bei der Entscheidung häufig zu kurz kommt, ist der laufende Aufwand nach dem Launch. WordPress selbst gilt als vergleichsweise sicher – das Kernsystem verzeichnete etwa im Jahr 2025 nur zwei gemeldete Schwachstellen. Das Risiko steckt fast ausschließlich im Plugin- und Theme-Ökosystem: Aktuellen Sicherheitsreports zufolge stammen über 90 % aller neu entdeckten WordPress-Schwachstellen aus Plugins, ein typisches Live-System läuft dabei mit rund 20 bis 30 aktiven Plugins gleichzeitig. Jede einzelne Erweiterung ist ein zusätzlicher Baustein, der gepflegt, aktualisiert und im Ernstfall abgesichert werden muss.
In der Praxis bedeutet das laufende Kosten – sei es an Zeit oder an Geld. Je nachdem, ob die Pflege selbst übernommen oder an eine Agentur ausgelagert wird, bewegen sich die Kosten grob zwischen 50 und mehreren hundert Euro im Monat, hinzu kommt bei Eigenpflege der Zeitaufwand für Updates, Backups und Sicherheitsprüfungen. Eine individuell entwickelte Website hat dieses Problem in dieser Form nicht: Ohne ein großes Ökosystem an Drittanbieter-Plugins gibt es schlicht weniger Angriffsfläche und weniger Komponenten, die regelmäßig aktualisiert werden müssen. Das bedeutet nicht, dass eine individuelle Website wartungsfrei ist – aber der laufende Aufwand fällt in der Regel deutlich geringer aus.
Warum ich viele Websites individuell entwickle
Bei meinen ersten WordPress-Projekten fiel mir auf, dass ein großer Teil der Arbeit nicht in die eigentliche Website floss, sondern in die Anpassung von Themes, Plugins und deren Zusammenspiel.
Das ist keine Schwäche von WordPress. Das System wurde bewusst flexibel entwickelt, damit es möglichst viele unterschiedliche Anwendungsfälle abdecken kann. Diese Flexibilität bringt jedoch zwangsläufig zusätzliche Komplexität mit sich – und die zeigt sich messbar auch bei der Ladegeschwindigkeit: Laut aktuellen Auswertungen bestehen nur rund ein Drittel der mobilen WordPress-Websites die Core-Web-Vitals-Prüfung von Google vollständig, häufig wegen zu vieler Skripte, unkomprimierter Bilder oder überladener Page-Builder.
Viele lokale Unternehmen benötigen diese Komplexität gar nicht. Eine typische Business-Website muss vor allem einige grundlegende Fragen beantworten:
- Wer sind Sie?
- Welche Leistungen bieten Sie an?
- Warum sollten Kunden Ihr Unternehmen wählen?
- Wie kann man Sie kontaktieren?
Wenn Besucher diese Informationen schnell finden und unkompliziert Kontakt aufnehmen können, erfüllt die Website bereits ihren wichtigsten Zweck.
Deshalb entwickle ich viele Websites lieber individuell. Statt auf ein allgemeines System aufzubauen und dieses an die Anforderungen anzupassen, entsteht die Website direkt aus den tatsächlichen Bedürfnissen des Unternehmens. Der Kompromiss dabei, um fair zu bleiben: Die Entwicklung dauert in der Regel länger und ist pro Projekt teurer als ein Standard-WordPress-Setup, weil nichts von der Stange kommt. Dieser Mehraufwand am Anfang steht dem geringeren Wartungsaufwand über die Jahre gegenüber – welche Variante sich stärker lohnt, hängt vom geplanten Lebenszyklus der Website ab.
Was bedeutet eine individuell entwickelte Website?
Eine Website „aus Code“ bedeutet nicht automatisch eine komplizierte oder besonders technische Lösung. Sie wird vielmehr speziell für ein Unternehmen entwickelt und enthält nur die Funktionen, die tatsächlich benötigt werden.
Gibt es keine Buchungsfunktion, wird keine entwickelt. Werden keine Benutzerkonten benötigt, existieren sie auch nicht. Dadurch bleibt die technische Struktur schlank und auf den jeweiligen Einsatzzweck abgestimmt.
Auch beim Design gibt es keine Einschränkungen durch vorgefertigte Themes oder Layouts. Struktur, Nutzerführung und mobile Darstellung können von Anfang an gezielt für das Unternehmen entwickelt werden.
Das Ziel ist dabei nicht, möglichst viele Funktionen bereitzustellen, sondern eine Website zu entwickeln, die schnell, übersichtlich und zuverlässig ihren Zweck erfüllt.